Text: Christian Hug
!!!, Seasick Steve
!!! (Chk Chk Chk): «Thr!!!er» (Warp/Musikvertrieb)
Zuerst mal: Das ist eines der schönsten Cover der letzten Monate. So adäquat hat bisher wohl kaum eine Band ihren (eigenartigen) Namen ins Bild gesetzt. Und dann: !!! sind die kleinen Brüder von LCD Sound System: Beide kommen aus New York, beide sind im Geiste mit den frühen Talking Heads verwandt, und beide setzen diese existenzialistische Attitüde in «contemporary dancefloor» um (beziehungsweise setzten, weil LCD Soundsystem sich ja inzwischen verabschiedet haben). Auf ihrem neuen, mittlerweile fünften Album reduzieren !!! schon fast als logische Folge der letzten Werke ihren Sound weiter auf die Essenz der Achtziger Jahre. Eine Art Discobeat bildet die Basis, ein magerer Bass unterstützt, und hin und wieder gibt’s Handclaps zu niedrig gehaltenem Gesang. Diese recht beherrschten Arrangements gipfeln im Song «Except Death», das klingt wie das «Saturday Night Fever» unserer Tage. Wer also New Order und die frühen Pet Shop Boys mochte, kriegt hier eine Vorstellung davon, wie die heute klingen würden. Fans der alten !!!-Alben vermissen derweil ein bisschen das Abgründige.
Seasick Steve: «Hubcap Music» (Polydor/Musikvertrieb)
Hat es den seekranken Stefan doch noch gejuckt unter den Fingern: Lange Jahre war er in Amerika als Hobo, als Vagabund unterwegs, wurde dann in Norwegen häuslich und erlangte sehr schnell einen Ikonen-Status, als er anfing, seine Hobo-Zeit in einfachen Klimper-Blues-Liedern zu erzählen. Das war ein paar Alben lang sehr charmant und herzlich. Jetzt aber will es Seasick Steve doch noch wissen: «Hubcap Music» ist quasi gepimpt zu einem korrekten Blues-Album. Im Geiste von John Lee Hooker pflegt er immer wieder den dezenten, knackigen Boogie als Basis seiner Geschichten und kommt in der Produktion entsprechend voluminöser und kompakter daher als früher. Das ist voll okay: «Hubcap Music» bietet viele drivige Blues-Lieder und für die Fans der alten Zeiten auch ganz einfach gehaltenen Lagerfeuer-Blues.
Stereo Luchs, Plankton Waves
Stereo Luchs: «Stepp usem Reservat» (Pegel Pegel/Sony)
Die Schweizer Reggae- und Dancehall-Szene ist dermassen klein, dass wir uns über jeden Release aus diesem Sektor freuen, zumal hier Leute wie Elijah, Phenomden und die Scrucialists uns immer wieder tolle Sounds abliefern. Nun gesellt sich Stereo Luchs mit seinem Debüt in diese Reihe. Der Zürcher war lange mit Phenomden unterwegs und hat sich genügend Zeit gelassen, bis er gut genug war, sein eigenes Album zu machen. «Stepp usem Reservat» ist astreiner Dancehall in Züritütsch mit feinen Riddims und schnürenden Lyrics, mit dem CH-Rap-Grossmeister EKR und Phenomden als Gäste. Ganz genau genommen könnten die Reime einen Zwick mehr gedrechselt sein, und die Tracks könnten eine Spur wuchtiger sein. Aber das wird sicherlich noch kommen, denn dieses Debüt ist schon mal ein grossartiger Anfang. Reinhören dringend empfohlen. Und man sollte auch seine Konzerte besuchen gehen. Zum Beispiel morgen Samstag im Senkel in Stans.
Plankton Waves: «Songs Of Endings» (SnoWhite/CD Baby)
Hin und wieder muss man sich ja auch ein kleines Schmankerl gönnen. Hier ein Vorschlag: Plankton Waves, ein Mann-Frau-Duo aus Luxemburg, das unvoreingenommen den Depro-Sound der Achtziger (so hiess das damals) rezykliert und mit allerlei «Vintage-Beats» (so sagt das Duo selber), Trommeln und entrücktem Gesang zwar nach Depro klingt, aber im Grunde ganz fröhlich daherkommt, irgendwie. Fünf Tracks für zwischendurch.
Und noch ein Ausgeh-Tipp: Heute spielen Amplifier in der Schüür in Luzern und stellen ihr neues Album «Echo Street» vor. Das wird eine englische psychedelisch-schwere Klangwalze mit Feingefühl.