Zu den guten Nachrichten der Woche: Die Geschichte zum aktuellen Album «Mylo Xyloto» von Coldplay gibt’s jetzt auch als sechsteiliges Comic – Von Jennifer Lopez erscheint heute die Best-of «Dance Again – The Hits» mit zwölf alten und zwei neuen Songs – Wer das schönste Bild mit Instagram schiesst, kann ein Privatkonzert von Liricas Analas gewinnen – Heidi Happy wird am kommenden Dienstag am Paléo einige brandneue Songs spielen aus dem Album, das sie zurzeit in den USA aufnimmt. Und dann das: Neue Musik zum Wochenende.
Text: Christian Hug
Nas: «Life Is Good» (Universal)
Ja, das Leben ist gut zu Nas, der moralischen Chefinstanz der rappenden Ostküste: Die Album-Kollaboration «Distant Relatives» mit Damian Marley wurde vor zwei Jahren sowohl in den Hip-Hop- als auch in den Reggae-Magazinen in den Jahres-Top-ten aufgelistet, jetzt veröffentlicht Nas sein zehntes Album. In den Texten bleibt er fraglos der präzise sozialkritische Beobachter des Unterschicht-Lebens, in der Musik setzt er zunehmend auf Klassik- und Filmmusik-Samplings, was seinem sonst oft sturen East-Coast-Style einen Touch von grossem Kino verleiht. Nas bleibt einer der wichtigsten Rapper, allerdings auch weiterhin ein Hip-Hop-internes Thema. Auf dem Track «Cherry House» ist übrigens Amy Winehouse zu hören, eine der letzten Aufnahmen vor ihrem Tod. Auch der letztes Jahr verstorbene Heavy D ist in einem Duett posthum zu hören.
Jimmy Cliff: «Rebirth» (Universal)
Jimmy Cliff gebührt zweifelsohne ein Platz in der die Hall of Fame des Reggae für seine Pionierleistungen. Seine späteren Ausflüge in den Pop brachten dann grösstenteils belangloses Gesinge hervor, auch wenn er in den späten Siebzigern und frühen Achtziger damit hin und wieder einen Hit landen konnte. Seither kam von ihm kaum mehr was von Bedeutung. Auch «Rebirth» wird keine wirklich grosse Wellen werfen, aber: Es ist ein einigermassen akzeptables Alterswerk (Cliff ist 64), auf dem Songs wie «Bang» und «Rebel Rebel» erhabene Grösse erreichen (und leider die einzigen beiden grossen Songs bleiben) und Songs wie «Outsider» akzeptabel im Soul wildern, während «World Upside Down» und «Ruby Soul» heitere Ska-Tunes sind. Der Rest ist, naja, nett.
Xavier Rudd: «Spirit Bird» (SideOneDummy/Phonag)
Gott wusste, dass die Surf-Jungs ihre Wellenreiterei gerne mit einem spirituellen Erlebnis gleichsetzen und nachts am Strand von Seele und Seligkeit singen. Also wählte Gott einen von ihnen aus, einen Australier namens Xavier Rudd, einen der besten Surf-Blueser der Welt. Gott liess ihm wirres Haupthaar und einen Bart wachsen und sprach zu ihm: «Besinge mich!» (den üblichen Zusatz «oder ich bestrafe dich» liess er diesmal aus). Und Xavier gehorchte. Jetzt singt Xavier ergriffen von der Leichtigkeit der Schmetterlinge und wie böse böse böse es ist, Wale zu töten, dass man der Sonne folgen soll, und von mystischen Engeln. Sein einzigartiger Aussie-Blues ist fast nicht mehr zu hören, dafür erklingen akustische Gitarre und einfache Lieder. Und Gott sah, dass es gut war. Seine Fans allerdings müssen sich erst an den neugeborenen Xavier gewöhnen. Rudd spielt übrigens live am nächsten Mittwoch, 18. Juli, im Zürcher Kaufleuten. Nehmt eine Bibel mit.
Lianne La Havas: «Is Your Love Big Enough?» (Warner) Da wird eine 22-jährige Engländerin, Vater Grieche, Mutter Jamaikanerin, als die neue Adele angekündigt, und was sehen wir von ihr als erstes in den Magazinen? Ein Bild, wie sie auf einem Sofa auf dem Rücken liegt und einen wuscheligen grossen Hund küsst, der zwischen ihren Beinen steht. Das verwirrt, weil bei Lianne La Havas sämtliche Vorschusslorbeeren mehr als gerechtfertigt sind und sie sich also einzig auf die Musik statt auf provokative Bilder konzentrieren könnte: Die souligen Songs ihres Debütalbums (eine Live-Aufnahme, mit hübschem Cover) sind schön, geschmeidig, gefühlvoll, souverän, tiefschürfend - was immer wir wünschen, sie hat es. Deshalb gehen wir Liannes Konzert schauen: Am 24. Juli spielt sie am Blue Balls Festival in Luzern.