Jubiläen und andere Highlights | SI Style
17|08|2012
Freitag

Jubiläen und andere Highlights

«Hot Cakes» (Musikvertrieb) von The Darkness und «What Is Next» (Sony) von Lunik loben wir in der neuen Ausgabe des Hefts. Ry Cooder veröffentlicht heute «Election Special» (Warner), in dem er so heitere Americana spielt wie schon lange nicht mehr, aber sich inhaltlich ausschliesslich mit den beiden US-Präsidentschafts-Kandidaten auseinandersetzt, was uns in der Schweiz leider nur mässig interessiert. Auf www.blur.co.uk kann man ab sofort das gesamte Konzert von Blur vom letzten Sonntag im Londoner Hyde-Park als Doppel-Album mit Bonus-CD bestellen. Der Rest ist: Neue Musik zum Wochenende.

Text: Christian Hug

Eluveitie: «The Early Years» (Nuclear Blast/Warner). Philipp Poisel: «Projekt Seerosenteich» (Grönland/Musikvertrieb)

Eluveitie: «The Early Years» (Nuclear Blast/Warner)
Hier zur Beeindruckung der Nasenrümpfer ein paar Zahlen zum Schweizer Erfolgs-Export in Sachen Mittelalter-Heavy-Metal (sprich: Pagan): 13 Europa- und 5 USA-Tourneen beziehungsweise 560 Konzerte in 40 Ländern, 12 Millionen Youtube-Klicks für «Inis Mona», ihre letzten beiden Alben waren in 8 Ländern in den Charts. Von solchen Zahlen können Gölä, Florian Ast und Francine Jordi nur träumen. Nun erscheinen zum zehnjährigen Bestehen der achtköpfigen Band die alten Songs der längst vergriffenen ersten Releases neu, als der Dudelsack noch mehr Gewicht hatte als die Stromgitarren. Beachtenswert: Die meisten Songs wurden komplett neu eingespielt.

Philipp Poisel: «Projekt Seerosenteich» (Grönland/Musikvertrieb)
Mit zwei Alben hat sich der deutsche Gschpürschmi-Sänger längst in die Herzen deutscher Ja-ich-gschpür-di-Freunde gespielt, jetzt können wir ihn auch Live erfühlen: Nur er und seine Gitarre, hin und wieder ein paar dramatisierende Geigen, ein leichter Sprachfehler und ein andächtig ergriffenes Publikum. Liegt irgendwo zwischen Xavier Naidoo unplugged und Herbert Grönemeyer stromfrei (Poisel ist ja auch auf Grönemeyers Label Grönland gesigned) und könnte auf den komplett ironiefreien Nenner reduziert werden: «What’s so wrong about love, peace and understanding?» Poisel-Freunden empfehlen wir auch eine etwas heiterere Schweizer Variante: Mettiwetti: «Nume ine i di gueti Stube» (Dynamic Range).

Plainsong: «Fat Lady Singing» (Blue Rose/Musikvertrieb). Yeasayer: «Fragrant World» (Mute/Musikvertrieb)

Plainsong: «Fat Lady Singing» (Blue Rose/Musikvertrieb)
Plainsong waren in den 70er-Jahren durchwirkt vom Hippie-Geist, kombinierten Banjo und E-Bass und gelten heute als prägende Band des damals entstandenen englischen Folkrocks. Neun Jahre lang haben wir von Plainsong keinen ordentlichen Ton mehr gehört, jetzt veröffentlichen sie zum 40-jährigen Bestehen der Band ein Album mit neuen Songs, die sie bereits 2003 eingespielt haben. «Fat Lady Singing» ist gleichzeitig das Album zur Abschluss-Tournee, die die Band durch Europa unternehmen und sich anschliessend offiziell auflösen wird. Wir geniessen die fröhlichen Geschichten zwischen Bluegrass, Folk, Country und Singer/Songwriter und machen uns begeistert auf die Suche nach ihren alten Alben.

Yeasayer: «Fragrant World» (Mute/Musikvertrieb)
Die vier Jungs aus Brooklyn behaupten zwar nach wie vor, von Phil Collins, Cindy Lauper und Prince beeinflusst zu sein, ihre Musik klingt aber ganz anders, sie machen aber vor gar nichts halt: afrikanische Rhythmen sind genauso in die Songs eingewoben wie psychedelische Gitarren und Trance-Electro und, naja, Pop, und das in der klassischen Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards. Das bleibt auch auf ihrem dritten Album so: scheinbar durch die Stile mäandernde Tracks, die immer eine dichte, manchmal düstere Atmosphäre schaffen und durchs Band die Aufmerksamkeit lohnt, die die Band von ihren Zuhörern verlangt.

RedaktionBerit Bisig