Filmtipp: "Death of a Superhero" | SI Style
26|09|2012
Mittwoch

Filmtipp: "Death of a Superhero"

Wo Sie dieses Filmplakat sehen, erwarten Sie 97 Minuten Gefühl, ganz frei von Kitsch. ©Plakat und Stills Pathé Films

Das Leben von  Donald (Thomas Brodie-Sangster) ist kompliziert und verwirrend, so wie bei jedem 15-Jährigen. Er ist verliebt, träumt von Action und Sex. Zum ganz normalen pubertäre Wahnsins kommt bei Donald ein bösartiger Krebs dazu, der Teenager weiss, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er flüchtet sich in Traumwelt, in der der Superheld MiracleMen gegen den Erzschurken Glove und dessen sexy Gehilfin Nursey Worsey kämpft. Donalds enormes Zeichentalent hilft ihm, seine Fantasien auszuleben und seine Krankheit für eine Weile zu vergessen. Der Krebs und die ungezählten Stunden im Spital haben Donald zum Frühzyniker gemacht, er sagt Sätze wie: "Das Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Sie wird von Leuten, die Sex haben, verbreitet. Und am Schluss killt sie einen." Donalds Eltern sorgen sie um das seelische Gleichgewicht ihres Sohnes und schicken diesen zu einem Psychologen. Donald nennt den verschrobenen Therapeuten Adrian King (Andy Serkis) nur Dr. Tod. Die beiden finden nach anfänglichem Misstrauen, Schweigen und Geschrei den Draht zueinander, der Arzt ist ob Donalds Einsichten verblüfft und will ihm helfen, mit dem Verliebtsein und dem nahen Tod irgendwie zurechtzukommen.  

Der krebskranke Donald (Thomas Brodie-Sangster) und sein Therapeut (Andy Serkis).

Der Ire Ian FitzGibbon hat mit dem Film "Death of A Superhero" den Roman des Neuseeländers Anthony McCarten «Superhero" (Verlag Diogenes) kongenial auf die Leinwand gebracht.  Besonders gelungen sind die Comics-Sequenzen in krassem Schwarzweiss-Stil von "Sin City". Und auch die Besetzung verdient nur Lob: Thomas Brodie-Sangster als kahlköpfiger Trotzkopf mit unbändigem Lebenswille ist eine Entdeckung. Der 22-jähirge Londoner überzeugte bereits als Paul McCartney in "Nowhere Boy" und als altkluger Dreikäsehoch in "Love, actually" neben Liam Neeson. Und von Andy Serkis wissen wir jetzt definitiv, dass er auch ohne Maske und Tricks ein beachtenswerter Acteur ist. Bislang kannten wir ihn nur in haariger oder monströser Gestalt: Serkis spielte "King Kong",  den genmanipulierten Affen Cesar in "Rise of Apes" oder den gruseligen Gollum in den "Herr der Ringe"-Filmen.  "Death of A Superhero" ist trotz des bleischweren Themas von Krankheit und Tod ein bezaubernder Film, aus dem man mit einem Lächeln und einer verdrückten Träne kommt.  Und mit der Erkenntnis, dass das leben einfach schön ist - egal, wie lange es dauert. 

Mit "Ganz normale Helden" setzt Anthony McCarten seinen Roman "Superhero" fort. © Diogenes Verlag

Mehr vom Autor der Buchvorlage ist bei Diogenes zu haben: Anthony McCarten setzt mit  "Ganz normale Helden" die Geschichte nach Donalds Tod fort. Diesmal steht Donalds Bruder Jeff im Mittelpunkt, der sich in seiner Trauer ins Internet flüchtet, wo er zwar viel Kohle verdient, aber keine Ruhe vor den Geistern der Vergangenheit findet. Anthony McCarten und seinen neuen Roman live erleben kann man am 26. Oktober mittag um 12.15 Uhr im Arthouse Kino Le Paris und abends um 19.30 Uhr im Kino Rex in Pfäffikon. Es wird jeweils der Film "Death Of A Superhero" gezeigt mit anschliessender moderierter Lesung in Englisch. Infos und Vorverkauf. 

RedaktionAnita Lehmeier