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13|07|2012
Freitag

Greifen Sie in der Buchhandlung zu Swissness, es lohnt sich. Schweizer Kleinverlage servieren uns grosse Literatur, zum Beispiel "Skoda" vom Bilgerverlag und "Sprechende Wasser" vom Verlag Secession.

"Skoda", Olivier Sillig, bilgerverlag. "Sprechendes Wasser", Jürg Halter/Tanikawa Shuntaro, Verlag Secession

Dostojewski ("Krieg und Frieden") und Norman Mailer ("Die Nackten und die Toten") füllten Hunderte von Seiten, um uns die Absurdität und Brutalität des Krieges vor Augen zu führen. Der Lausanner Olivier Sillig schafft das auf gerade mal 80 Seiten. "Skoda" ist eine Parabel über den Krieg, keine leichte Kost, aber umso nachhaltiger. Die Geschichte dreht sich um Stjepan, einen blutjungen Soldaten. Er erwacht in der Hitze eines Sommerabends, irgendwo auf einem Feld, die Zikaden kreischen. Was geschehen ist, daran kann er sich nicht erinnern, er spürt, dass er am Kopf blutet, und er sieht, dass seine Kameraden, die neben ihm im Gras liegen, alle tot sind. Also macht sich Stjepan auf den Weg - einfach nur weg. In einem Auto am Wegrand findet er weitere Tote, eine ganze Familie, offenbar auf der Flucht. An der Brust seiner toten Mutter schläft ein winziges Baby. Stjepan nimmt das Kind nach kurzem Zögern mit und nennt es nach dem Fundort, Skoda. Die Odysee von Stjepan und Skoda beginnt. Auf ihrem Weg begegnen die zwei der Liebe, dem Hass, der Gleichgültigkeit, dem Verrat, sie erfahren Hilfe, selbstlose und teuer bezahlte. Und wir freuen uns mit den Soldaten auf ein Happy End, als er auf einen Milch-Tankwagen trifft, und möchten zu gern vergessen, dass eben doch Krieg herrscht. Mehr zum Buch und zum Verlag mit dem glücklichen Händchen (auf jedem Buchrücken und in der Wahl hochklassiger Lektüre) auf  Mehr zum Autor 

Eine weitere Trouvaille mit Schweizer Literatur-Schaffen ist der Gedichtband "Sprechendes Wasser", ein Paradebeispiel eines aufwändig gestalteten Buches mit kongenialem Inhalt.

Blick aufs und ins Prachtsbändchen: Um die Wasser-Fotos zu sehen, muss man die Doppelseiten aufschneiden.

Der Berner Dichter Jürg Halter alias Kutti MC hat sich mit dem japanischen Poeten Tanikawa Shuntaro auf ein Kettengedicht eingelassen. Vier Jahre gingen Mails hin und her, jeder nahm Bezug auf die letzte Strophe des anderen. Akteure wie Mickey Mouse, eine Nixe oder eine Manga-Figur strafen all die Vorurteile, Gedichte seien unzeitgemäss und weltfremd, schlicht Lügen. Fotos der beiden Dichter ergänzen das Bändchen aufs Schönste, die Texte in Deutsch und Japanisch. Das Wagnis, noch einen Gedichtband zu machen (solche sind ja nicht eben Kassenschlager, oft zu unrecht) haben Susanne Schenzle und Christian Rusicska auf sich genommen. Ihr in Zürich ansässiger Verlag Secession wurde als Newcomer-Verlag des Jahres 2011 geehrt. Und auch "Sprechendes Wasser" erfuhr Ehre, die Preziose im Schuber erhielt eben den Red Dot Designer Preis  und den Berliner Type Gold, zwei renommierte Design-Preise. Mehr zum Verlag Secession  

 

 

RedaktionAnita Lehmeier
Kategorie Bücher, Lesen
10|07|2012
Dienstag

"Das Blaue Büchlein. 366 Vermutungen" von Niko Stoifberg, Der gesunde Menschenversand, um Fr. 23.-.

Das perfekte Handtaschen-Buch (nicht zu verwechseln mit einem Taschenbuch, die sind weit weniger schön ausgestattet und selten ein Blickfang) ist DAS BLAUE BÜCHLEIN mit 366 Vermutungen von Niko Stoifberg, illustriert von Lina Müller. Allen,  die die Ferien noch vor sich haben, Reise- und Wartezeiten sinnvoll füllen wollen, ohne das Handgepäck zu beschweren, sei die himmelblaue Buch-Perle sehr empfohlen.

Das Vorwort, eine Art Gebrauchsanweisung, stammt von Pedro Lenz, dem Mundart-Autoren, den nicht zu kennen ein herber Verlust ist. "Alle Vermutungen, die wir hier lesen, machen uns glücklicher, lockerer oder schlauer, ohne uns belehren zu wollen. Das ist keine Vermutung. Das ist ein Geschenk!", meint Lenz. Denn heute, da Zahlen, Fakten und Wissen nur einen Mausklick entfernt seien,  gäben Vermutungen mehr zu denken und zu schmunzeln. Ein paar Müsterchen: "Man kann die Wahrheit sagen, ohne ertappt zu werden." "Man sieht in Wirklichkeit nicht besser aus als auf Fotos." "Selbstfindung ist nicht immer eine schöne Erfahrung." "Präsent sein ist besser als perfekt." "Der Teufel wäre zu einer Versöhnung bereit, wenn der Teufel den ersten Schritt macht". "Es gibt keine schönen Städte mehr, nur noch schöne Stadtteile." "Paris ist der einzige Ort, wo Intellektuelle gut aussehen."  Herausgegeben hat das kleine feine Buch "041 - das Kulturmagazin" www.null41.ch aus luzern, wo Stoifbergs Vermutungen als Kolumnen seit 2005 erscheinen.  Hier gibts mehr gute Schweizer Lektüre Mehr Müsterchen auf 

RedaktionAnita Lehmeier
Kategorie Buchtipp, Lesen