Bastian Baker | SI Style

Bastian Baker

08|02|2013
Freitag

Der erste Gewinner der diesjährigen Swiss Music Awards steht fest: Bastian Baker hat sich im Public Voting gegen Aloan und Yvan Peacemaker durchgesetzt und darf sich offiziell „Best Act Romandie“ nennen. Der charmante Newcomer aus dem Welschland ist der erste Künstler überhaupt, welcher in der neuen Kategorie den begehrten Stein mit nach Hause nehmen darf. An der Veranstaltung am 1. März werden die Gewinner der restlichen 11 Kategorien bekannt gegeben. Der Event wird um 20.05 Uhr live auf SRF 2, joiz und Rouge TV übertragen. 

RedaktionRaphaela Haenggi
11|12|2012
Dienstag

Senkrechtstarter Bastian Baker, 21.

Kaum ein Schweizer erobert Herzen so schnell wie Bastian Baker. Der 21-jährige ist der neue Stern am nationalen Pophimmel. Seit mehr als einem Jahr befindet sich sein Debütalbum "Tomorrow may not be better" in den Schweizer Charts, und Singles wie "Lucky" und "I'd sing for you" tönen regelmässig aus dem Radio. Vor wenigen Wochen erschien ausserdem "Noël's Room", das gemeinsame Projekt mit Rapper Stress und Noah Veraguth von der Popband Pegasus. SI Style traf den charmanten Romand vor seinem Auftritt letzte Woche in Basel zum Interview.

Bastian, du hast ein sehr erfolgreiches Jahr hinter dir und giltst als neuer Shootingstar der Schweiz. Festivals, Konzerte, Reisen, TV-Shows, "Noël's Room" und eine DVD über deine Eröffnung des diesjährigen Montreux Jazz Festivals – kann man das Jahr 2012 überhaupt noch toppen?
Das wird auf jeden Fall schwierig. Ich glaube, es ist unmöglich, nochmals ein Jahr wie dieses zu verbringen. Es war der Hammer, ich bin froh, dass alles gut gegangen ist. Unglaublich sind auch meine Erfolge in Frankreich und Belgien. Und mit meiner Coverversion von "Hallelujah" bin ich zurzeit auch in Polen und Russland unterwegs, das ist krass. 

Normalerweise bist du alleine unterwegs und stehst nur mit deiner Gitarre auf der Bühne. Wie hast du den Wechsel vom Singer/Songwriter zu "Noël's Room" empfunden?
Ich fühle mich nicht als Alleingänger. Hinter dem Namen Bastian Baker steht eine ganze Mannschaft. Klar gibt es Tage, an denen ich nur mit meinem Manager unterwegs bin, aber ich weiss von meiner Vergangenheit als Eishockeyspieler, wie es als Teamplayer ist. Bei "Noël's Room" war es nicht die Anzahl der Menschen, die den Unterschied machte, sondern die Tatsache, dass wir völlig frei arbeiteten. Es begann mit Parties, Barbecues und Freestyle-Musizieren und endete in einem erfolgreichen Album. Das ist unglaublich. 

Was war das für ein Gefühl, ohne jeglichen Druck zu arbeiten?
Ein Freiheitsgefühl. Stress, Noah und ich sind alle Frontmänner, die dauernd unter Druck stehen. Die Platte, die Konzerte, die Promo – auch wenn wir viel Spass haben, ist es ein harter Job. Wenn wir ein Album aufnehmen, müssen wir auf Kommando inspiriert sein. Die Stimmung im Studio ist sehr klinisch, man weiss, dass jede Sekunde kostet, und dass um 22.00 Uhr Feierabend ist. Wenn man dann nicht weiter kommt, bricht schnell Panik aus. Umso mehr genoss ich das Zusammensein mit Kollegen, die Musik genau so lieben wie ich. Wir führten Gespräche und brachten uns so gegenseitig weiter. Aus vielen Gefühlen, über die wir redeten und die wir teilten, entstanden am Ende Lieder.

Du bist Singer/Songwriter, Stress ist Rapper und Noah Verguth macht Popmusik. Gab es da keine Konflikte der Vorlieben?
Im Gegenteil. In der Musik habe ich mir nie Grenzen gesetzt. Ich liebe Gitarrenmusik genau so wie Hip Hop, R'n'B oder Klassik. Für mich gibt es in jeder Art Musik eine Stimmung, die zu einem Moment im Leben passen kann. Stress singt auf "Back in my Life" melodiös und ich auf "Robot Girl" zu Elektro- und House-Tönen. Das vermischen der Genres macht das Projekt gerade interessant. 

Wie war es für dich als Jüngster der Truppe?
Ich bin in diesem Beruf immer der Jüngste. Wenn man jedoch eine Verbindung zu den Menschen fühlt, dann spielt das Alter keine Rolle. Dass ich erst 21 Jahre alt bin, stoppt mich in keiner Weise. Schon viele sagten mir, ich bringe etwas Frisches in die Menge, was ja durchaus ein Kompliment ist. Respekt spielt für mich eine viel grössere Rolle. Wenn du deine Mitmenschen respektierst und eine Verbindung zu ihnen aufbauen kannst, dann mag ein 80-Jähriger dein Freund sein. Oder ein Junge von 5 Jahren. 

Wie viele Jahre bist du seit deinem Start psychisch älter geworden?
Mindestens 10 Jahre! (lacht) Nein, im Ernst, wenn ich meine gleichaltrigen Kollegen treffe, denke ich schon, dass ich reifer bin als sie. Ich meine das nicht herablassend, aber durch mein permanentes Zusammensein mit Älteren, den Reisen und Erlebnissen bin ich innerlich schon gewachsen.

Es ist bekannt, dass Stress auf dem Album seine Trennung von Melanie Winiger verarbeitet hat. Gibt es etwas, dass dich besonders bewegt hat?
Als wir mit dem Projekt anfingen, waren wir alle in einem leichten Tief. Stress hatte die Trennung hinter sich, Noah seine Grossmutter verloren, zu der er eine sehr enge Beziehung hatte, und ich hatte grosse Entscheidungen vor mir, etwa die Teilnahme an der Tanzshow "Danse avec les Stars" in Frankreich. Wir waren alle gegenseitige Therapeuten. Die Lieder auf der CD bedeuten uns allen etwas, wenn auch in unterschiedlicher Weise. "Back in my Life" zum Beispiel ist einer der wichtigsten Songs, die ich je geschrieben habe. Er beschreibt mein Leben zu diesem Zeitpunkt.

Gibt es auf deinem Solo-Album "Tomorrow may not be better" auch ein Thema, das du verarbeitet hast?
Es ist mein erstes Album, ich habe alle Lieder zwischen 15 und 19 Jahren geschrieben. Es gibt kein Thema, das sich immer wiederholt. Die Texte wiederspiegeln vielmehr Lebenssituationen, die ich durchlebte. Zwischen 18 und 19 Jahren steckte ich zum Beispiel in einem tiefen Loch. Ich war depressiv und wusste nicht, was ich machen und wie ich leben sollte. Ich sah die Zeit nur so an mir vorbei ziehen und wurde panisch. "Tomorrow may not be better" war der Anfang und das Ende. Zuerst hatte es eine negative Bedeutung, und am Schluss drehte es sich zum positiven: Morgen mag nicht besser sein, also lebe heute. Ich versuche heute noch, diesen Gedanken jeden Tag zu verinnerlichen. Es war wie eine Therapie.

Ist es einfacher, Lieder zu schreiben, wenn es einem schlecht geht?
Klar. Deshalb bin ich auch so stolz auf "Lucky"! Es ist so schwer, ein Song zu schreiben, in dem deine Hauptaussage ist: "Alles ist super, das Leben ist schön!" (lacht).

Viele deiner Texte sind melancholisch. Inwiefern wiederspiegeln diese Lieder deine Persönlichkeit?
Es stimmt, die Texte sind oft etwas negativ, aber die Melodien dafür sehr positiv. Bezogen auf meinen Charakter bedeutet diese Kombination, dass ich zwar immer motiviert bin, noch mehr erreichen, Musik machen und feiern will. Es gibt aber ganz klar auch etwas hinter dieser positiven Fassade.

Vor kurzem bist du bei einem privaten Shopping-Event von H&M aufgetreten. Wie viel bedeutet dir Mode?
Zugegeben, nicht sehr viel. Dank meiner Reisen in Modemetropolen wie Paris oder London bin ich zwar involvierter in Sachen Mode. Es gibt jetzt aber keine grosse modische Evolution bei mir. Ich bin nicht Lady Gaga oder einer von Queen, die sich in der Mode verwirklichen können. Ich bin Bastian Baker, ein normaler Typ, normal angezogen. Ich liebe Frauen auf meinen Shirts (grinst, verweist auf das Motiv auf seinem T-Shirt). Ansonsten mag ich Boots und ein paar easy Jeans. Ich war nie einer, der zwanzig Minuten hat, um sich für oder gegen ein Shirt zu entscheiden. Mode hat wirklich keinen hohen Stellenwert für mich, sorry! (lacht) Aber so schlimm sehe ich nicht aus, oder?

Du bist der neue Mädchenschwarm der Schweiz, an deinen Konzeren kreischen sich Teenies ihre Seelen raus. Gibt dir dieses Image Selbstvertrauen?
Überhaupt nicht! Für mich ist das nur ein Druck mehr! (lacht) Ehrlich gesagt ist es komisch für mich und etwas ganz Neues. Früher war ich nie der Schönste im Klassenzimmer, ich war einfach ein normaler Junge. Es ist lustig zu sehen, dass mich so viele Mädchen "geil" finden. Ich finde es cool! Allzu ernst nehme ich das aber nicht, ich mache ja Popmusik, das trägt sicher auch zu diesem Image bei. OK, ich habe grüne Augen und mein Gesicht ist nicht so schlecht... Merci, Mama! Aber was ist das schon?

Was muss denn ein Mädchen haben, damit es dir gefällt?
(Schlägt sich die Hände vors Gesicht, lacht verzweifelt) Ahh, merde!

Du kannst es in drei Worten sagen.
(Lacht laut) Ich habe keinen Typ Traumfrau. Dass ich zu jemandem eine Verbindung habe, ist am wichtigsten. Das zählt, sei es bei potentiellen Freundinnen oder bei allen anderen Menschen, mit denen ich zusammen bin. Ich brauche keine Zeit mit Leuten zu verbringen, die ich nicht gerne habe.

Wie wird das nächste Jahr für dich aussehen? Wann werden wir die ersten neuen Songs im Radio hören?
Die wichtigste Sache im nächsten Jahr wird das zweite Album. Die Aufregung ist jetzt schon riesig! Ich habe schon viele neue Lieder, die ich auf meiner kleinen Tour durch die Schweiz präsentiere und teste. Im Februar werden wir in London die neue Platte aufnehmen, im April sollten dann die ersten Songs zur Veröffentlichung bereit stehen.

Was wünschst du dir für 2013?
Dass ich weiter so viel Musik machen kann und die Freude daran behalte. Ich hoffe, weiterhin Gefühle teilen zu können und so viele schöne Erlebnisse zu haben wie in diesem Jahr. Die Musik ist eine Welt, in der kein Tag wie der andere ist. An einem läuft es, am nächsten nicht mehr. Up, down, up, down. Es ist schwierig, oben zu bleiben. Dieses Jahr hat mir aber viel Kraft und Glaube in das gegeben, was ich mache. Jetzt bin ich bereit für neue Herausforderungen!

RedaktionCharlotte Fischli