SI Style
03|05|2013
Freitag

Dave Eggers, «Ein Hologramm für den König», Kiepenheuer & Witsch

Ein düsterer Umschlag, ein kryptischer Titel, ein unbekannter Autor - nicht das Buch, das einem in der Buchhandlung ins Auge springt. Aber umso empfehlenswerter! Erzählt wird die Geschichte eines Managers, der am Rande einer Wüste und am Ende seiner Hoffnungen gelandet ist. Die Geschichte eines Jedermann, die den abstrakten Begriff Globalisierung fassbar macht. Eine Geschichte, die ausserdem klug konstruiert und flott erzählt ist, voller komischer Momente und schöner Sätze. «Alan wollte glauben, dass so etwas möglich war, eine Stadt, die sich aus Staub erhob.» Die Stadt heisst King Abdullah Economic City, ein gigantisches Bauprojekt in Saudi-Arabien, zu dem Alan Clay die IT-Technik liefern möchte. Alan und sein junges Team warten in einem überhitzten Zelt ohne WLAN am Rande der Wüste darauf, dem König ihre dreidimensionale, holografische Präsentation vorführen zu können und den Grossauftrag zu bekommen. Für Alan die letzte Hoffnung, die ihn vom Bankrott trennt. Und der König kommt nicht und kommt nicht. In der Warte- oder Gnadenfrist, die Alan bleibt, betrinkt er sich, fäng er eine Affaire mit einer dänischen Buchhalterin an, unternimmt mit seinem kleinkriminellen Fahrer Youssuf Ausflüge in die Berge. Er denkt aber auch über sein Leben nach, wann er wo welche Abzweigung verpasst hat, und schreibt Mails von berückender Klarheit an seine erwachsene Tochter. Obwohl oder gerade weil Alan eine durchzogen sympathische Figur mit allerlei menschlichen Makeln ist, hoffen wir mit ihm auf das Erscheinen des Königs und ein Happyend. Ein Konzept, das leider nicht in die globalisierte Welt passt. Und leider auch nicht zu Alans Leben.  

RedaktionAnita Lehmeier
03|05|2013
Freitag

Text: Christian Hug

!!!, Seasick Steve

!!! (Chk Chk Chk): «Thr!!!er» (Warp/Musikvertrieb)

Zuerst mal: Das ist eines der schönsten Cover der letzten Monate. So adäquat hat bisher wohl kaum eine Band ihren (eigenartigen) Namen ins Bild gesetzt. Und dann: !!! sind die kleinen Brüder von LCD Sound System: Beide kommen aus New York, beide sind im Geiste mit den frühen Talking Heads verwandt, und beide setzen diese existenzialistische Attitüde in «contemporary dancefloor» um (beziehungsweise setzten, weil LCD Soundsystem sich ja inzwischen verabschiedet haben). Auf ihrem neuen, mittlerweile fünften Album reduzieren !!! schon fast als logische Folge der letzten Werke ihren Sound weiter auf die Essenz der Achtziger Jahre. Eine Art Discobeat bildet die Basis, ein magerer Bass unterstützt, und hin und wieder gibt’s Handclaps zu niedrig gehaltenem Gesang. Diese recht beherrschten Arrangements gipfeln im Song «Except Death», das klingt wie das «Saturday Night Fever» unserer Tage. Wer also New Order und die frühen Pet Shop Boys mochte, kriegt hier eine Vorstellung davon, wie die heute klingen würden. Fans der alten !!!-Alben vermissen derweil ein bisschen das Abgründige.

Seasick Steve: «Hubcap Music» (Polydor/Musikvertrieb)
Hat es den seekranken Stefan doch noch gejuckt unter den Fingern: Lange Jahre war er in Amerika als Hobo, als Vagabund unterwegs, wurde dann in Norwegen häuslich und erlangte sehr schnell einen Ikonen-Status, als er anfing, seine Hobo-Zeit in einfachen Klimper-Blues-Liedern zu erzählen. Das war ein paar Alben lang sehr charmant und herzlich. Jetzt aber will es Seasick Steve doch noch wissen: «Hubcap Music» ist quasi gepimpt zu einem korrekten Blues-Album. Im Geiste von John Lee Hooker pflegt er immer wieder den dezenten, knackigen Boogie als Basis seiner Geschichten und kommt in der Produktion entsprechend voluminöser und kompakter daher als früher. Das ist voll okay: «Hubcap Music» bietet viele drivige Blues-Lieder und für die Fans der alten Zeiten auch ganz einfach gehaltenen Lagerfeuer-Blues.

Stereo Luchs, Plankton Waves

Stereo Luchs: «Stepp usem Reservat» (Pegel Pegel/Sony)

Die Schweizer Reggae- und Dancehall-Szene ist dermassen klein, dass wir uns über jeden Release aus diesem Sektor freuen, zumal hier Leute wie Elijah, Phenomden und die Scrucialists uns immer wieder tolle Sounds abliefern. Nun gesellt sich Stereo Luchs mit seinem Debüt in diese Reihe. Der Zürcher war lange mit Phenomden unterwegs und hat sich genügend Zeit gelassen, bis er gut genug war, sein eigenes Album zu machen. «Stepp usem Reservat» ist astreiner Dancehall in Züritütsch mit feinen Riddims und schnürenden Lyrics, mit dem CH-Rap-Grossmeister EKR und Phenomden als Gäste. Ganz genau genommen könnten die Reime einen Zwick mehr gedrechselt sein, und die Tracks könnten eine Spur wuchtiger sein. Aber das wird sicherlich noch kommen, denn dieses Debüt ist schon mal ein grossartiger Anfang. Reinhören dringend empfohlen. Und man sollte auch seine Konzerte besuchen gehen. Zum Beispiel morgen Samstag im Senkel in Stans.


Plankton Waves: «Songs Of Endings» (SnoWhite/CD Baby)
Hin und wieder muss man sich ja auch ein kleines Schmankerl gönnen. Hier ein Vorschlag: Plankton Waves, ein Mann-Frau-Duo aus Luxemburg, das unvoreingenommen den Depro-Sound der Achtziger (so hiess das damals) rezykliert und mit allerlei «Vintage-Beats» (so sagt das Duo selber), Trommeln und entrücktem Gesang zwar nach Depro klingt, aber im Grunde ganz fröhlich daherkommt, irgendwie. Fünf Tracks für zwischendurch.


Und noch ein Ausgeh-Tipp: Heute spielen Amplifier in der Schüür in Luzern und stellen ihr neues Album «Echo Street» vor. Das wird eine englische psychedelisch-schwere Klangwalze mit Feingefühl. 

RedaktionAnita Lehmeier
03|05|2013
Freitag

Im wunderschönen Restaurant Sonnenberg in Zürich wurde gestern Abend die erste Ausgabe von SI Style Beauty gefeiert. Niemand geringeres als Supermodel Rosie Huntington-Whiteley ziert das Cover der Sonderausgabe, welche am kommenden Montag, 6. Mai, der Schweizer Illustrierten beiliegt. 

Moderatorin und DJane Annina Frey sorgte mit sommerlichen Klängen für eine ausgelassene Stimmung. Trotz aufkommendem Sturm amüsierten sich die geladenen Gäste, unter ihnen das Schweizer Top-Model Sarina Arnold oder Coiffeur Charles Aellen, blendend.

Die Gault-Millau-Köche Tanja Grandits und Jacky Donatz liessen keinen kulinarischen Wunsch offen und so konnte auch niemand Ihren raffinierten Kreationen widerstehen.

RedaktionRaphaela Haenggi
Kategorie SI Style Beauty
03|05|2013
Freitag

© huber.huber

Die Zwillingsbrüder, Markus und Reto Huber, arbeiten seit dem Abschluss ihrer Ausbildung an der HGKZ 2005 zusammen unter dem Namen huber.huber. 

© huber.huber

In der Hauser Gallery zeigen sie ab dem 7. Mai die Einzelausstellung "des astrum". 

© huber.huber

Vernissage: Dienstag, 7. Mai 2013, 18 - 21 Uhr - Die Künstler werden bei der Vernissage anwesend sein.

Ausstellung: 8. Mai - 15. Juni 2013

Öffnungszeiten: Mi - Fr 13 - 18 Uhr, Sa 13 - 16 Uhr

RedaktionRaphaela Haenggi
02|05|2013
Donnerstag

Frieden und Freundschaft fangen oft beim Essen an. Der Palestine Grill bietet frische, orientalische Spezialitäten, die es so sonst nirgends in der Stadt gibt. Egal ob Humus, Falafel, handgeschnitzte Pommes, eigene Saucen wie die Shaitan-Sauce oder Sabich – sämtliche Snacks werden frisch zubereitet. Sabich, ein israelisches Pitabrot gefüllt mit Ei, gebratenen Auberginen und selbstgemachter Mangosauce, ist das vegetarische Highlight des Imbiss. Wer lieber würziges Fleisch kosten möchte, bestellt den Sish Taouk – ein Pouletspiess mit Joghurtsauce, Humus und Gemüse.

Auch bei den Getränken lassen sich Raritäten entdecken: Taybeh Beer aus Palästina etwa gibt es schweizweit nur hier oder Araq, ein ungesüsster, klarer Anisschnaps. Daneben werden für den Nahen Osten typisch hausgemachte Tees und Wasser mit Pfefferminze oder Limetten angeboten.

RedaktionRaphaela Haenggi
02|05|2013
Donnerstag

Little Black Dress - LBD - haben im wunderschönen Grand Hotel in Locarno ihren ersten Kurzfilm zur LBD White Collection gedreht. Unbedingt anschauen!

RedaktionRaphaela Haenggi
Kategorie LBD, Solitaire, Fashion
01|05|2013
Mittwoch

Ein müde Helvetia, ein stolzer Gipfel: Filmplakat «Schseizer Geist«. © Moviebizfilms.com

Die Mythen, Klischées und wahren Werte unter die Lupe genommen, das verspricht der Untertitel des Dokfilms «Schweizer Geist», und das bekommt man auch geboten im Kino. Dokfilmer Severin Frei («Panamericana», 2010) hat unser Land gekreuzt und gequert, im wahrsten Sinn: Er besuchte die nördlichste, südlichste, östlichste und westlichste Gemeinde, tauchte ein in alle Sprachkulturen, kletterte auf den höchsten Berg, erforschte Stadt und Land. Überall begegnete er Menschen, die nun im Film zu Wort kommen: Michael Eisner (Kabarettist), Dani Arnold (Extremkletterer), Fritz Bieri (Naturfotograf), Doris Röthlin (Älplerin), Corsin Sialm (Rega-Pilot), Hans Schorno (Sackmesser-Hersteller), Claude Alain Bougnon (Absinth-Destillateur), Bruno Ritler (Maskenschnitzer) und und und.  Prächtige Bilder gibts zu sehen, richtige Postkarten-Idyllen, wie sie unsere Touristen entzücken. (Schweiz Tourismus ist übrigens mit von der Partie, die setzen ja jetzt voll auf  Tradition und heile Schweiz mit ihrer jüngsten Kampagne). Mein persönliches Highlight: Radio-Urgestein Christoph Schwegler spricht!! Da werden Erinnreungen an das gute alte DRS drüü wach, als uns Schweglers Milch&Honig&Whisky-Stimme noch eingelullt und in schönstem Bebbie-Dialekt be-sound-et hat. 

RedaktionAnita Lehmeier
01|05|2013
Mittwoch

Donatella Maranta: «Nicoletta - Ein Tapas-Kochbuch», erschienen bei Edition Cucina e Libri

Genau das brauchen wir jetzt: Südsicht, Sonne, Schlemmereien! Genau das und noch viel mehr bietet das wunderhübsche Kochbuch namens «Nicoletta»: einfache Rezepte gegen den grauen Alltag, Wolkenschieber, die mediterranes Lebensgefühl auf den Esstisch zaubern. Das siena-orange Buch vereint 78 unkomplizierte Gerichte, mal mit Fisch, mal mit Fleisch, mal vegetarisch - und immer mit viel Zärtlichkeit und Lebensfreude.

So fein gehts im Buch zu: Polpo mit Fenchel und Orangen.

Donatella Maranta hat die Rezepte gesammelt, probiert und illustriert und Buch, Layout und Satz gleich selber in die Hand genommen. Mit dem abwaschbaren Pappband ist das Buch auch neben dem Herd gut geschützt, zu haben ist «Nicoletta» aus der Edition Cucina e Libri in jeder Buchhandlung - ausser Amazon. Diesen Luxus gönnt sich Verleger Carlo Bernasconi. Am besten besorgt man sich die Preziose sowieso direkt bei ihm im Cucina e libri an der Fröhlichstrasse 39 in Zürich. Sie kostet Fr. 29.-. Günstiger kommt man nicht in den Süden!

Und noch ein Appetitmacher. Polpo mit Cannellini

 

RedaktionAnita Lehmeier
30|04|2013
Dienstag

Der Chef ist tot, es lebe der Chef. Gad Elmaleh als Top-Banker. © Praesens Film

Mit 80 präsentiert der griechisch-französische Filmemacher Costa-Gavras einen Thriller über die Hochfinanz: «Le Capital». Keine leichte Kost für Menschen ohne Nummernkonten und dicken Boni, weil wir erstens nicht das Vokabular haben, alle Winkelzüge der Finanzhaie zu verstehen, und weil zweitens der Hauptdarsteller, der Casino-Kapitalist Tourneuil (Gad Elmaleh), so ein grässlich gefühlloser Charakterlump ist. Er selber sieht sich als Robin Hood der Reichen: Er raubt die Armen aus und gibt den Reichen. Und er handelt wie ein moderner Macchiavelli: Die Strukturen, an denen er sich nach oben gehangelt hat, bricht er hinter sich ab. Seine einzige Schwäche: Frauen. Er pflegt eine Affäre mit einem Top-Model, Schäferstündchen plant der Geldmensch zwischen zwei Sitzungen ein. Der einzige, der Bankchef Tourneuil die Stirn bietet - wenigstens via Video-Konferenz - ist sein Gegenspieler Dittmar (Gabriel Byrne).

Geldhaie in teurem Tuch: Dittmar (Gabriel Byrne) und Marc Tourneuil (Gad Elmaleh).

Die Umgebung, in denen Costa-Gavras seinen Thriller ansiedelt, sind imposant: Yachten, Limousinen, Privatjets, turnhallengrosse Büros, Duplex-Appartement, schicke Lobbies. In diesen Settings die beiden A-Klasse-Schauspieler Gad Elmaleh und Gabriel Byrne agieren zu sehen, macht Freude. Der Kloss im Hals, den die Grossbanker und ihr schamloses Tun zurücklässt, weniger. «Le Capital» läuft jetzt im Kino. 

RedaktionAnita Lehmeier
Kategorie Filmtipp, Kinotipp
30|04|2013
Dienstag

Noch schnell das Abendessen besorgen und dann mit dem Fahrrad beschwingt in den Feierabend radeln. Nur, wohin mit der Einkaufstüte, ohne dass sie in die Speichen gerät? Ein Rucksack könnte eine adäquate Lösung sein – oder «Ando» von EigenmannDurot. Es ist das ideale Teil, um (stil-)sicher ans Ziel zu kommen, sogar mit mehr als einer Tasche. Dabei handelt es sich um zwei schlichte Beutel, die an ihren Trageriemen miteinander verbunden sind und so auf den Gepäckträger geklemmt werden können. Sie bestehen aus italienischem Cordura, einem robusten Nylon, das auch mal einen Regenspritzer erträgt, und aus hochwertigem Schweizer Rindsleder. Die beiden Designerinnen Nina Eigenmann und Iris Durot lassen die Taschen in geschützten Werkstätten fertigen. Sie sind in Dunkelgrün oder Perlgrau erhältlich und kosten 195 Franken.

RedaktionNina Huber

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