Die Österreicherin Anna Maria im Zwiegespräch mit Jesus. Szene aus «Paradies: Glaube» © Neue Visionen Filmverleih
Kein Wunder, hat dieser Film an den Festspielen in Venedig unter konservativen Katholiken für Empörung gesorgt. Diese Frau ist keine gute Werbung für das Christentum: Sie geisselt und plagt sich, führt eine Art Liebesbeziehung mit Jesus Christus, die durchaus platonische Grenzen überschreitet, während sie zu ihrem eigenen Mann bitterböse ist. Dieser kommt nach einem Unfall querschnittgelähmt wieder nach Hause. Die Rückkehr passt der Gattin allerdings gar nicht, die sich während seiner Abwesenheit in die Idee hineingesteigert hat, Österreich wieder zum Katholizismus zu bringen. Ihre Ferien verbringt sie damit, mit einer Wandermuttergottes-Statue missionierend von Haushalt zu Haushalt zu ziehen.
Zwischen dem Ehemann, einem Muslimen, und Anna Maria beginnt ein Kleinkrieg, der immer grobschlächtiger wird. Das ist die Hölle auf Erden.
Übertönt die Rufe ihres Mannes mit Kirchenliedern auf dem Keybord.
In diesem zweiten Teil der Trilogie von Ulrich Seidl bleiben einem die Lacher im Hals stecken. Er ist deutlich düsterer als der Film über Sextourismus, «Paradies: Liebe». Versöhnlicher soll es erst wieder im dritten und letzten Teil werden, mit «Paradies: Hoffnung». Dabei wird es um die junge, übergewichtige Melanie gehen, die sich in einem Diätcamp in einen viel älteren Arzt verliebt. Sie ist die Tochter des Sextouristin und die Nichte der Katholikin.
Kinostart in der Schweiz von «Paradies: Glaube» ist am 9. Mai.