Text: Christian Hug
ZAZ, Iggy Pop
ZAZ: «Recto Verso» (Sony)
Ihr selbstbetiteltes Debüt vor zwei Jahren machte ZAZ auf einen Schlag sehr weit über Frankreich hinaus bekannt: Endlich war da wieder mal eine Chansonière, die nicht auf Femme Fatal und geheimnisvoll-verraucht machte, sondern frisch und fröhlich und mit ein bisschen Riot-Grrrl-Attitüde von ihrem Leben erzählte. Sie hat damit nicht nur das Chanson und sogar das Nouvelle Chanson aufgefrischt, sondern umgekehrt dem Jugendlich-(T)Rotzigen eine neue Tiefe gegeben (okay – ZAZ war damals 31 Jahre alt, aber trotzdem). Dass nach dem Debüt-Erfolg erstmal ein Live-Album nachgeschoben wurde, roch zwar ein bisschen nach dem üblichen Big Business, hatte aber bei ZAZ immerhin eine gute Logik. Mit ihrem zweiten Album ist sie nun nicht nur «auf beide Seiten» gewachsen, sondern gleich in alle Richtungen: Mehr Pep, mehr Professionalität, mehr musikalische Einflüsse, mehr Tiefgang und gleichzeitig mehr Heiterkeit – alles verpackt in 14 tolle Songs. Haben wir ihre grossartige Stimme schon erwähnt? Am 19. Juli spielt ZAZ am Blueballs Festival in Luzern.
Iggy Pop and the Stooges: «Ready To Die» (Fat Possum/Musikvertrieb)
Was genau macht eine Ikone aus? Dass sie, richtig, nicht respektiert, sondern verehrt wird. Aber warum? Nicht, weil sie etwas Bahnbrechendes geschaffen hat – dafür gibt’s Respekt. Sondern weil sie ihre Ding durchzieht, und zwar konsequent. Iggy hat immer gemacht, was er wollte, auch wenn er daran fast zugrunde gegangen wäre. Er hat auf der Bühne rumgepoltert, als die Hippies noch an ihren Joints zogen. Er hat seinen Rock gespielt, als die Punks ihn entdeckten. Er sang französische Chansons, bloss weil er Lust darauf hatte. Ganz nebenbei schuf er auf seinem Weg respektiert Bahnbrechendes. Und jetzt spielt er wieder mit den Stooges beziehungsweise mit den überlebenden Stooges-Mitgliedern und gibt wieder Vollgas, weils dem Herrn so gefällt. Uns gefällt das ebenfalls: Vierzig Jahre nach «Raw Power» ist von dieser rohen Kraft nichts verlorengegangen – aber viel Lebensweisheit dazugekommen, die Iggys Fatalismus zumindest angenehm auffängt. Das macht Freude.
Hugh Laurie, Eva & Manu
Hugh Laurie: «Didn’t It Rain» (Warner)
Wir machen ein TC (Track Control) des zweiten Werks von Dr. House: Hielt sich der Engländer mit seinem ersten Album noch ziemlich strikte (und sehr souverän) an den New-Orleans-eingefärbten Blues, gönnt er sich mit dem zweiten Album sehr viel mehr Freiheiten. Er bleibt zwar dem Blues als Fundament treu, lässt aber hörbar Einflüsse von Billie Holiday bis Randy Newman einfliessen und schafft daraus etwas Eigenständiges, das nichts mit dem Zynismus seiner Rolle als Dr. House zu tun hat und auch nur entfernt mit seinen Büchern als Satiriker. Diagnose: Wir sind vom Alltags-Stress-Syndrom befreit und fühlen uns gut dabei.
Eva & Manu: «Eva & Manu» (Warner)
Hach, die Liebe! Und dann auch noch zwischen zwei Musikern, die gerne reisen. Eva Louhivouri stammt aus einer finnischen Musikerfamilie, Manu Laudic ist der Sohn eines französischen Bauern: Die beiden sind ein Paar. Ein halbes Jahr sind sie mit einem VW-Bus durch Europa gereist, haben auf ihrem Travel-in-Music-Blog die Welt daran teilhaben lassen und ihre Erlebnisse in Songs erzählt. Das daraus resultierende Debüt-Album erschien bereits im letzten Herbst mit grossem Erfolg in Finnland, jetzt macht es uns Warner auch für die Schweiz zugänglich. Eine gute Idee, denn das Album pulsiert in einer berührenden Herzenswärme und Hingabe, das Paar ergänzt sich im Singen und Musizieren wunderbar. Die Musik ist zwar sehr klassischer Singer/Songwriter in Duo-Form, aber das Feuer, das dahinter in den Herzen der Musiker brennt, macht die Lieder einzigartig.